Schichtenarchitektur einer Composite App
Schichtenarchitektur einer Prozessgesteuerten Anwendung – Prozess-, UI- & Service-/Business-Objekt-Schicht
Prozessgesteuerte Anwendungen basieren auf einem klaren architektonischen Prinzip:
Trenne fachliche Prozesse von den technischen Integrationsprozessen.
Nur so wird eine Anwendung flexibel, unabhängig von Backend-Systemen und langfristig wartbar.
Neben dieser fundamentalen Trennung spielt die Schichtenarchitektur eine wesentliche Rolle, die sich im wesentlichen aus folgenden Ebenen zusammensetzt:
→ Fachprozesse
→ User Interface
→ Geschäftslogik, bereitgestellt als Services und basierend auf persistenten Geschäftsobjekten
→ Externe Services, ggf. angesteuert über Integrationsprozesse
Diese Aufteilung bildet die Grundlage für jede professionelle, lose gekoppelte prozessgesteuerte Anwendung.
1. Prozessschicht – Das Herz der fachlichen Ablauflogik
Die Prozessschicht enthält die fachliche Prozessablauflogik, modelliert in BPMN.
Hier wird beschrieben:
Wer führt was aus?
Wann passiert etwas?
Welche Daten fließen zwischen den Schritten?
Welche Benutzeroberflächen oder Serviceaufrufe sind Teil des Ablaufs?
Die Prozessschicht ist der Ort, an dem der wertschöpfende, funktionale Prozess abgebildet wird – frei von technischen Details.
Der Prozess soll „rein“ bleiben, also ohne Infrastrukturfragen, Dateninkonsistenzen oder Integrationsdetails belastet zu sein. Diese technische Komplexität wird bewusst ausgeklammert.
Vorteile der Prozessschicht:
vollständige Kontrolle durch den Fachbereich
maximale Transparenz
schnelle Änderbarkeit
klare Verantwortlichkeiten
Wiederverwendbarkeit über Regionen oder Organisationen hinweg
Der fachliche Prozess ist der „Diamant“ der Anwendung – sauber geschliffen und unabhängig von Systemdetails.
2. UI-Schicht – Aufgabenorientierte, prozessnahe Benutzeroberflächen
In der UI-Schicht befinden sich alle Benutzeroberflächen, die im Prozess aufgerufen werden.
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Mashups oder ERP-Formularen:
👉 UI-Fragmente stammen nicht aus Backend-Systemen.
👉 Jede Oberfläche gehört zur Prozessanwendung und ist damit systemunabhängig.
Die Oberflächen:
sind aufgabenorientiert
arbeiten direkt mit den Daten des Prozesskontexts
melden Ereignisse an den Prozess
sind lose gekoppelt
können über moderne Tools oft automatisch aus Datenstrukturen generiert werden
Wichtig: Eine Benutzeroberfläche muss nur wissen, welche Daten sie anzeigen und erfassen soll – nicht woher die Daten im Backend kommen.
Damit bleibt die Benutzeroberfläche stabil, selbst wenn sich die Systemlandschaft ändert.
3. Service- und Geschäftsobjekt-Schicht – Die fachliche Umsetzung
Diese Schicht enthält:
Geschäftsobjekte
lokale Persistenz
fachliche Services
Serviceaufrufe Richtung Backend
Persistenz von prozessspezifischen Daten
Hier passiert die „Magie“, die der Prozess benötigt: Aggregation, Validierung, Anreicherung und Speicherung.
Geschäftsobjekte
Geschäftsobjekte werden in zwei Kategorien getrennt:
Interne Geschäftsobjekte
– lokal gespeichert
– neue fachliche Daten, die kein Backend kennt
Externe Geschäftsobjekte
– wiederverwendete Backend-Objekte
– als transiente Objekte eingebunden
– nötig, falls in der Prozessanwendung Daten aus den Backends ergänzt werden müssen
Der Ansatz folgt einem klaren Prinzip: Nur das modellieren, was der Prozess wirklich braucht.
Service-Funktionalität
Services in dieser Schicht:
implementieren fachliche Anforderungen
stellen eine klare Abstraktion zu Backend-Systemen dar
kapseln Aufrufe und Konvertierungen
schützen die Prozessanwendung vor Systemänderungen
Die Service-Schicht trennt:
die Prozessanwendung(fachlich orientiert) von…
…den Backendsystemen (technisch / organisatorisch geprägt)
Das ist die Grundlage echter Unabhängigkeit.
Warum diese Schichtenarchitektur unverzichtbar ist
Die Schichtenarchitektur stellt sicher, dass:
Prozesse unabhängig von Systemen bleiben
UIs unabhängig von Backends bleiben
Änderungen im Backend keinen Einfluss auf die Prozessanwendung haben
Backend-Komplexität konsequent gekapselt ist
Systeme austauschbar werden
Anwendungen anpassbar bleiben
Dadurch wird die prozessgesteuerte Anwendung zu einem stabilen, geschäftskritischen Baustein, der in immer volatileren, hybriden Systemlandschaften funktioniert.
Fazit – Klare Trennung erzeugt klare Architektur
Die Schichtenarchitektur einer prozessgesteuerten Anwendung ist kein theoretisches Modell – sondern ein praxiserprobtes Prinzip, das komplexe Unternehmensprozesse beherrschbar macht.
Prozess = Fachlicher Ablauf
UI = Mensch-System-Interaktion
Services & Geschäftsobjekte = Umsetzung + Backend-Abstraktion
Diese Struktur schafft genau das, was moderne Unternehmen benötigen:
Flexibilität, Stabilität, Unabhängigkeit und Transparenz.
Quelle / Ursprung
Dieser Blogbeitrag basiert auf Inhalten aus dem Buch „Prozessgesteuerte Anwendungen entwickeln und ausführen mit BPMN: Wie flexible Anwendungsarchitekturen wirklich erreicht werden können“ von Prof. Dr. Volker Stiehl.

